Beziehungen können krank machen- physisch und psychisch, schleichend wie Gift. Dabei beginnen gerade solche Verbindungen so berauschend! Bis die Ernüchterung einsetzt. Ein bitterer und einsamer Absturz aus Wolke 7. War deine letzte Beziehung toxisch oder befindest du dich jetzt gerade in einer solchen Partnerschaft? Mache hier den Schnelltest.
Wichtiger Hinweis vorab:
Bei diesem kurzen Test handelt es sich nicht um einen psychologischen Test, der anhand einer großen Stichprobe und statistischer Verfahren erstellt und validiert wurde. Er basiert jedoch auf echten Berichten von Betroffenen, die im Laufe der letzten Jahre bei mir therapeutische Unterstützung suchten, um ihre Erlebnisse bezüglich einer toxischen Beziehung aufzuarbeiten und zu überwinden. Die Berichte ähnelten sich in gravierenden Punkten auffallend, so dass sich daraus einige typische Muster ergeben.
Insofern vermittelt dir dieser Schnelltest eine Vorstellung davon, was eine toxische Beziehung ausmacht. Nach der Beantwortung und Auswertung erkennst du außerdem eine Tendenz, wie es um deine Beziehung steht.
Und so geht´s:
Im Folgenden findest du zehn Aussagen über deine Beziehung, die du -möglichst ehrlich und relativ zügig- einschätzen solltest und zwar mit:
„eher ja“ (das Verhalten/Gefühl kenne ich)
„eher nein“ (ich habe dies nicht so erlebt)
Die Auswertung erfolgt, indem du die Anzahl der beiden Antwortoptionen einfach addierst. Was sich daraus ableiten lässt, erfährst du weiter unten.
Schnelltest „Toxische Beziehungen“
1. In Anwesenheit von X fühle ich mich immer häufiger angespannt und gestresst.
2. X vermittelt mir oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder etwas falsch gemacht zu haben.
3. Ich bin mir im Unklaren, wie X wirklich zu mir steht.
4. Manchmal erkenne ich mich selbst kaum wieder.
5. Konstruktive Gespräche über unsere Beziehung sind nicht möglich.
6. Auf „Kritik“ reagiert X sofort mit Ausreden und Schuldzuweisungen oder bestraft mich mit Schweigen und Rückzug.
7. Ich fühle mich kontrolliert und nicht frei innerhalb dieser Beziehung.
8. X verletzt mich bei Auseinandersetzungen - verbal durch Beleidigungen oder sogar durch körperliche Gewalt.
9. Ich suche oft nach Erklärungen für das Verhalten von X und entschuldige es dann vor mir (und anderen).
10. Ich verschweige gegenüber Freunden und der Familie unschöne Details aus meiner Beziehung.
Die Auswertung
Für welche Antwortmöglichkeit hast du dich am häufigsten entschieden oder ist das Ergebnis eher gemischt?
Überwiegend „eher ja“:
Wenn du dich in den meisten der Aussagen wiederfinden konntest, deutet vieles darauf hin, dass die Beziehung tatsächlich toxisch ist. Das bedeutet, dass du an der Seite dieses Menschen nicht gut aufgehoben bist. Vermutlich hast du sogar schon einen längeren Leidensweg hinter dir. Hast vieles versucht und immer wieder gehofft, mit viel Verständnis und Anstrengungen die Beziehung oder deinen Partner/deine Partnerin zu ändern. Womöglich hast du sogar Angst dich zu trennen, fürchtest dich vor der Reaktion oder glaubst, es alleine nicht zu schaffen.
Was tun?
So bitter die Erkenntnis auch ist: dein Partner/deine Partnerin wird sich nicht ändern. Daher liegt es nun an dir, gut für dich zu sorgen und in deinem Sinne gute Entscheidungen zu treffen. Für dich und für deine Gesundheit, sowohl körperlich als auch mental.
Selbstverständlich musst du dies nicht allein schaffen! Je nachdem, was du ganz individuell brauchst, findest du Unterstützung beim Ausstieg aus einer toxischen Beziehung durch
- Familie und Freundeskreis: Verständnis, Zuspruch und praktische Hilfe in alltäglichen Dingen
- Rechtlicher Beistand: Beratungsstellen, Öffentliche Rechtsauskunft, Anwalt/Anwältin
- Austausch mit Betroffenen: Selbsthilfegruppen (live oder online)
- Bei Androhung von Gewalt oder Stalking: Zuflucht im Frauenhaus, Polizei zu Hilfe rufen, Kontaktverbot erwirken
- Psychotherapie: Zur Stärkung des Selbstwertgefühls, Überwindung von Scham- und Schuldgefühlen, Aufarbeitung und Verarbeitung des Erlebten
Überwiegend „eher nein“:
Da du dich mit toxischen Beziehungen beschäftigst und sogar diesen Test gemacht hast, warst du dir womöglich nicht sicher, wie es um deine Beziehung steht. In den meisten Punkten hast du dich und deine Beziehung nicht wiederfinden können? So weit, so gut!
Was kannst du dennoch tun?
Schaue dir die Aussagen zu toxischen Beziehungen an, denen du eben zugestimmt hast.
- Achte in den nächsten Wochen und Monaten darauf, wie häufig oder stark ausgeprägt das Verhalten/das Gefühl ist – gibt es eine Tendenz zur Verschlechterung?
- Was überwiegt in deiner Beziehung, die positiven Seiten und Erlebnisse oder die schwierigen Phasen?
- Ist es grundsätzlich möglich, ein konstruktives Gespräch über die Beziehung zu führen und einige Dinge gemeinsam zu verändern?
Fazit: Gehen oder bleiben?
Auf der einen Seite eine Trennung, die sicherlich nicht einvernehmlich und friedlich wird. Hinzu kommt die Ungewissheit, was die Zukunft bringt. Auf der anderen Seite das Vertraute, auch wenn es sich oft nicht gut oder sicher anfühlt.
Frage dich ganz ehrlich: Ist dies die Art von Beziehung, wie du sie dir immer gewünscht hast? Und: Wie wahrscheinlich ist es, dass du mit genau diesem Menschen eine wirklich „gute“ Beziehung leben kannst?
Keine Frage: es ist schwer, das Vertraute hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Gerade wenn es um das Beenden einer toxischen Beziehung geht, in der das Selbstvertrauen über einen langen Zeitraum sukzessive zunichte gemacht wurde. Manchmal braucht es für diesen befreienden Entschluss tatsächlich einen massiven Vorfall, der endgültig wachrüttelt. Aber so weit muss es bitte nicht erst kommen!
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- Kategorie: Psychologie