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| Kategorie: Sucht

Der lauernde Tiger

Ein fester Bestandteil von Suchttherapien ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Rückfall sowie die Erarbeitung von individuellen Vorbeugemaßnahmen. Und das aus gutem Grund: auch wer die Therapie „trocken“ durchsteht, ist nicht gefeit vor einem Rückfall.

 

Das Risiko schlichtweg zu ignorieren und darüber nicht einmal nachdenken zu wollen, ist ausgesprochen problematisch. Den lauernden Tiger im Auge zu behalten ist die klügere Strategie. Zumal gerade die ersten 90 Tage nach einer Therapie als kritische Phase gelten.
Hilfreich ist zunächst, sich vom konsumierenden Freundeskreis zu distanzieren und Orte zu meiden, die Suchtdruck hervorrufen könnten. Und wer sich schon vor Therapieende einer Selbsthilfegruppe anschließt, kann hier neue Kontakte knüpfen, profitiert vom Erfahrungsschatz der anderen TeilnehmerInnen und bleibt kontinuierlich dran am Thema. Dies erleichtert einen Wiedereinstig in den Alltag, der ohne das Suchtmittel nun allerdings neu gestaltet werden will.
Wichtig ist auch herauszufinden, welche Funktionen das Suchtmittel zur Lebensbewältigung ursprünglich hatte. In welcher Stimmungslage es gezielt eingesetzt wurde, um unangenehme Gefühle wie zum Beispiel Langeweile, Angst, Sorgen, Stress, Ärger oder Anspannung zu vermeiden. Um abstinent zu bleiben, ist es daher notwendig, diese Gefühle tatsächlich wahrzunehmen und dann eben nicht dem gewohnten ersten Impuls nachzugeben, sondern einen neuen, konstruktiven Umgang zu finden.
Die Macht alter Gewohnheiten sollte man nicht unterschätzen, daher ist auch der Weg raus aus einer Sucht nicht einfach. Es lohnt sich jedoch, neue Verhaltensweisen zu probieren und neue Kompetenzen zu entwickeln. Die persönliche, wohltuende Balance zwischen Aktivitäten und Herausforderungen einerseits und Erholung und Entspannung andererseits zu finden. Sich nicht in Watte zu packen, sich aber auch nicht zu überfordern. Achtsam mit sich umzugehen, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und gut für sich zu sorgen.
Auf dem Weg raus aus der Sucht heißt es oft Abschied nehmen von vertrautem Verhalten und –manchmal zumindest vorübergehend- auch von einigen Menschen. Doch wem es gelingt, diese Lücke sinnvoll zu schließen, erlebt den Alltag nicht als ständigen Kampf gegen das Suchtmittel, sondern stärkt wichtige Kompetenzen im Umgang mit sich und der Umwelt. Und erfährt dadurch eine ganz neue Lebensqualität.

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